Schloss Eggersdorf
Besondere Orte,  In Malente

Lost Places: Schloss Eggersdorf

Malente hat ein Schloss, kann das sein? – Dann versteckt es sich aber gut. Das tut es in der Tat. Das verlassene Gebäude an der Kellerseestraße ist im Sommer umwuchert von Brombeeren und Büschen. Selbst im Winter verbergen ein weitläufiger Park und Efeu berankte Bäume das Schloss, was in Wirklichkeit ein großer Schwindel ist.

Der Gewinner ist: Niklas S. aus Berlin.  Herzlichen Glückwunsch!

Der Student hatte sich die Mühe gemacht, die Antworten im Internet zu recherchieren, wie er sagt. Sein Vater half auch noch ein bisschen mit. Immerhin 2 richtige Antworten. Das gibt einen Fußball, gesponsert vom Uwe Seeler Fußball Park. Vielen Dank! Übrigens hat niemand alle vier Fragen beantworten können…

Auflösung:

1.) Helmut Kremers gehörte zum Aufgebot 1974, bezog also das Trainingsquartier in Malente, Erwin jedoch nicht, denn aufgrund einer roten Karte im letzten Bundesligaspiel der Saison 1973/74 kam es nicht zu einer Nominierung. “Halts Maul, du blöde Sau!”, hatte Erwin den Schiedsrichter beschimpft und es auf Nachfrage mehrmals wiederholt: “Beim letzten Mal habe ich es eingeleitet mit der Bemerkung “Für Doofe:…”

2.) Uwe Seeler war bei den WMs von 1958 bis 1970 immer als Spieler dabei, ohne einen Titel gewonnen zu haben. Bei der WM davor, 1954 im Finale in Bern, und beim Fußball-Championat danach 1974 gingen die Titel nach Deutschland, ohne Uwe.

3.) Sepp Maier saß beim Ausbüxen aus dem Trainingsquartier in Malente nach Hamburg am Steuer des Autos und zumindest auf der Rückfahrt, so heißt es, sei er durchaus alkoholisiert gewesen. Zudem funktionierte die Fußbremse nicht richtig, so dass er mit seiner rechten Hand permanent an der Handbremse gewesen sei. Seine rechte Fanghand wäre bei der Rückkehr in Malente wund und voller Schwielen gewesen, nicht die besten Voraussetzungen für den Torhüter des Titelanwärters Deutschland.

4.) Aus einer Laune heraus hatte sich Gerd Müller seinen legendären Schnauzer wenige Tage vor dem ersten Gruppenspiel anlässlich einer Einladung des Teams zu Kaffee und Torte ins Hotel Intermar in Malente abrasiert.  Dabei ist es bis zum Endspiel in München geblieben. 1970 war Müller eh noch bartlos.

Schloss Eggersdorf im Wald

Denn Schloss Eggersdorf ist nicht mehr als eine umgebaute Bauernkate, die seit 1856 mit jedem Besitzerwechsel größer und prunkvoller wurde und architektonisch gesehen erst im Verfall ihren besonderen Reiz entfaltet. 

Schlossfantasien in Malente

All die Um- und Anbauten wirken nicht wie ein gut geplanter, harmonischer Gesamtentwurf. Vielmehr veranschaulichen die Erweiterungen den Wunsch des Besitzers nach Grandezza in Malente. Der Berliner Christian Wilhelm von Schiller, ein Kaufmann, der in den Adelsstand erhoben wurde, verhalf dem Gebäude zu seinem heutigen Antlitz. Zwar war aus dem Bauernhaus bereits ein Landhaus geworden, als er es Anfang 1900 übernahm, dem Neuadligen war das jedoch nicht schick genug. Er schmückte es mit Zinnen, Erkern, Vorbauten und sogar einem Burg ähnlichen Turm, der gänzlich beweist, dass der neue Besitzer vom standesgemäßen Wohnen keine Ahnung hatte. Aber egal, die Malenter erkannten darin ein Schloss. Und darauf kam es an. So wurde aus der Kate im ehemaligen Dorf Eggersdorf das Schloss Eggersdorf in Malente. Das ist Alchemie!

Schloss Eggersdorf Chronik Malente
Schloss Eggersdorf nach Fertigstellung 1921 mit neuer Parkanlage

Geblieben ist der Prunkversuch im Verfall. Von innen offenbart sich ein völlig ausgeschlachtetes Haus. Entfernt wurde alles, was man irgendwie zu Geld machen konnte: alte Flügeltüren, Griffe, Heizkörper, Bäder, Verkleidungen, Verzierungen. Wie schade. Und irgendwie auch traurig schön.

Schloss Eggersdorf Balkon
Schloss Eggersdorf Flure
Schloss Eggersdorf Innenansicht
Ein Park im Dornröschenschlaf

Ein erneuter Besitzerwechsel verhalf dem Komplex zu einem gestalteten Park, der dank Symmetrie auch dem restlichen Anwesen etwas weltläufig Vornehmes verlieh. Heute wirkt er trotz oder gerade wegen Patina, Wildwucherungen und Beschädigungen romantisch verträumt. Putten, die auf froschartigen, steinernen Drachen hocken, verkörpern die Jahreszeiten. Einst floss Wasser aus den Figuren in das gemauerte Becken.

Eine Lindenallee auf der gegenüberliegenden Seite der Kellerseestraße gehört mit zum Eggersdorfer Schloss und führt geradewegs auf den Kellersee. Im Juni und Juli, wenn die Linden blühen, liegt ein stetes Brummen in der Luft.  Bienen bei der Arbeit. Das Brummen und Summen hilft, das Schloss zu verorten, denn erst beim genauen Hinschauen lassen sich Zinnen und Turm zwischen Blättern und Ästen erkennen.

Parkanlage
Parkanlage
Schloss Eggersdorf Garten

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